Baum
Storch
Eichel
25. – 27. August
Storkow (Mark)

Seit vielen Jahren sind Notwist in unterschiedlichsten musikalischen Sphären unterwegs. Ihr klangliches Experimentieren beschert uns eine Vielfalt an Geräuschen und Stimmungen, die aber immer großartig und feinfühlig, fragil und brachial zugleich sind: mal wie eine ratternde Metropolis, mal wie ein einsamer Streifzug durch stille Brandenburger Wälder. Zum Orchester aus Bässen, Drums, Glockenspiel und Geigen steht in herrlicher Spannung die besänftigende Stimme von Markus Acher. So schaffen es Notwist trotz oder wegen dieser Bandbreite ihre Einzigartigkeit nie zu verlieren.

The Notwist

Um Deerhoof kommt man nicht herum. Sie sind laut, aber sprengen nicht nur Lautstärke-, sondern auch Genre- und Geschmacksgrenzen. Die mit Frontfrau Satomi Matsuzakis klarer Stimme manchmal japanisch singende amerikanische Band aus San Francisco und Brooklyn knarrt, knallt, rumpelt, säuselt, dringt in jede Pore und nachdem man von einer vollen Gitarrenbreitseite physisch und psychisch erledigt ist, trösten sie einen mit melodischem und einfühlsamen Poprock. Deerhoof sind episch, unvergleichlich, niemals langweilig und nach mehr als 20 Jahren und 13 Alben besuchen sie uns nun – direkt vom Indie-Olymp – in Storkow.

Deerhoof

“2016 was a very difficult time to observe“, fasst Kirk Taylor von Montreal aus beobachtend zusammen, wie letztes Jahr in den USA das Undenkbare möglich wurde. Infolgedessen flüchtete sich der Kopf der Band Timber Timbre auf deren aktuellem Album „Sincerely, Future Pollution“ in dystopische Welten, in denen die Gullys sinnbildlich vom Schmutz der Zukunft überlaufen. Jedoch weist Timber Timbres Musik aus der Geisterwelt immer die angebrachte Mischung aus Schwermut und Besonnenheit, Fernweh und Aufbruch auf. Was gern als Gothic Americana oder Glam Folk bezeichnet wird und Soundtrack eines David Lynch-Films sein könnte, wird Ende August magisch auf unserer Burgbühne erscheinen. Danach ist alles anders.

Timber Timbre

Viel ist passiert seit sich Dear Reader vor circa zehn Jahren in Johannesburg gründeten. Aus dem Duo wurde das Soloprojekt von Cherilyn MacNeil. Sie zog von Südafrika nach Berlin, veröffentlichte vier Alben, davon ein Orchesteralbum mit dem deutschen Filmorchester Babelsberg und wurde mit dem deutschen Filmpreis für ihre Musik zu „Oh Boy“ ausgezeichnet. Inzwischen ist aus dem Singer-/Songwriter-Folk der ersten Alben Indie-Kammerpop geworden. Ihr aktuelles Album „Day Fever“ ist eine Antithese zu der schönen Welt, die uns so oft in sozialen Medien vorgegaukelt wird. Und so wird hier nichts versteckt, Angst und Unsicherheit stattdessen thematisiert und gezeigt, dass die Schönheit wieder einmal in der Unvollkommenheit liegt. Auf dem alínæ lumr werden Dear Reader als Duo auftreten.

Dear Reader

Der im Namen der AG Form angelegte Plural ist Programm: Etwas Großartiges besteht meist aus Vielem oder kommt erst durch Vieles tatsächlich zustande. Gemäß diesem Vielen steht die AG Form stilistisch irgendwo zwischen Jazz, Pop und Postrock. Ihre Musik ist gleichzeitig das Experiment, die individuellen Stilvorlieben und musikalischen Vergangenheiten der vier Bandmitglieder zusammenzubringen und die Grenzen traditioneller Genres als musikalische Grenzen abzuklopfen. Einflüsse wie Hip-Hop und Jazz, Tortoise, Do Make Say Think und BadBadNotGood bilden dabei eine Art kleinsten gemeinsamen Nenner. 2015 erschien ihre EP „Lichtenberg“, für Ende 2017 ist AG Forms Debütalbum auf dem Berliner Label Mikrokleinstgarten geplant.

AG Form

Arms and Sleepers beglücken uns 2017 nicht nur mit dem inzwischen achten Album sondern bringen den Zauber ihrer Musik persönlich zu uns nach Storkow! Ambient trifft Jazz, Klassik, Hip-Hop und R&B. Mit dieser Mischung und ihren fein-verschachtelten Melodien und triphop-esquen Beats erschaffen Arms and Sleepers eine besondere Klangwelt, auf deren Wellen es sich mit Leichtigkeit entschweben und dahin treiben lässt. Ob als Wiegenlied unter Brandenburgischem Nachthimmel oder als Soundtrack auf dem Sonnendeck: spätestens bei Arms and Sleepers werden die Letzten in die genussvolle Entspanntheit verfallen, die unser alínæ lumr so schön hervorlockt.

Arms and Sleepers

Im Namen steht es schon: diese drei kennen sich bereits seit ihrer Kindheit in Neustrelitz. Gemeinsam zogen sie nach Berlin – in eine Stadt, die genug Möglichkeiten und Umfeld bietet, nicht erwachsen werden zu müssen. Der lauten Metropole geben sie sich mit ihrem introspektiven Dreampop dennoch nicht hin. Ihr Debüt „Leaving Home“ ist eine bezaubernde Fusion aus The XX, Hundreds und Daughter: Entschleunigt, luftig, aufgeräumt und umschmeichelt von Steffi und Lauras mehrstimmigem Gesang.

Children

Das Duo Coals gibt es seit 2014. Seitdem entwickeln Katarzyna Kowalczyk und Łukasz Rozmysłowski sphärische Soundscapes, die sich immer wieder am Eindruck der postindustriellen Härte ihrer ehemals Kohle fördernden schlesischen Heimat brechen. Dabei verarbeiten sie unterschiedlichste Inspirationsquellen von traditionellem polnischen und jüdischem Folk bis hin zu Hip Hop und der Musik befreundeter isländischer Bands. Coals sind vielseitig, träumerisch, hart und sanft zugleich, wie ein Ozean, der einen mitnimmt und an einem weit entfernten Ort wieder absetzt. Sie spielten bereits auf Festivals von Reykjavík bis Tel Aviv.

COALS

„It's probably playing in your room right now, you just don't notice it“, schrieb Pitchfork einst über FS Blumm und kam zu dem Schluss: „This man makes some damn charming music.“ Der meisterhafte Multiinstrumentalist Frank Schültge ist seit nunmehr 20 Jahren unterwegs im Melodie-Experimentier-Business rund um Akustikgitarre, Kalimba, Kontrabass und Keksdose. Zahlreiche Kollaborationen u.a. mit Nils Frahm, diverse Konstellationen als Bassist, Gitarrist, Klangforscher und Exkursionen nach Japan fließen in sein Soloprojekt FS Blumm. Und letztlich bemerkt man die Musik im Raum dann doch: Die angenehme Reduktion schleicht sich direkt ins Herz.

FS Blumm & Jeff Özdemir

Girls in Airports kommen aus Dänemark - und aus Jazzgefilden, in denen sie aber keineswegs verhaftet bleiben. Sanftes rhythmisches Wirbeln, leicht anmutende Melodiebänder, die sich vorsichtig aufbauen und gefühlvoll fortbewegen. Ein phänomenales Zusammenspiel, das bei jedem Mal magische Momente hervorbringt. Girls in Airports kreieren mit Saxofon und Bassklarinette, Schlagzeug und Perkussion, und einem Wurlitzer-Piano eine Klangfarbenvielfalt zwischen Euphorie und Nachdenklichkeit, die im ruhigen und unaufgeregten Spektrum beheimatet ist und dennoch lebhaft und neugierig bleibt. Nach vier Alben sind die fünf Dänen sicher kein ganz geheimer Tipp mehr, aber trotzdem ein ganz hervorragender.

Girls in Airports

Mit ihrem Auftritt am Strand des Storkower Sees waren Great Atlantic letztes Jahr ein spontanes Highlight für uns und haben es sogar (mit Foto!) in die Lokalpresse geschafft. Great Atlantic sind wohl eine klassische Indieband, auch wenn die drei Mitglieder ganz unterschiedliche musikalische Hintergründe haben. Ruhig, atmosphärisch, dennoch intensiv und getragen vor allem von Jonas Hoths markanter Stimme. So spielt diese Indieband auch mal Funkrhythmen, Post-Rock und Synthesizer, experimentiert mit Samples und verdichtet ihren atmosphärischen Sound zwischen Freude und Melancholie im Wechsel von Licht und Schatten.

Great Atlantic

Halo Maud aus Paris lässt mit ihrer Musik die Großstadt hinter sich und lädt ein zu einem Spaziergang am Strand, umworben von einer Brise die vom Ozean herüber weht – oder etwa vom Storkower See? Die Multiinstrumentalistin singt vom Fliegen, vom Vergehen der Zeit und vom Geschmack des Windes. Sie vereint Präzises und Vages in musikalischen Übungen der Schwerelosigkeit, umfasst von einer Stimme, die über all dem dahin schwebt. Bisher ist von Halo Maud nur eine EP veröffentlicht, umso gespannter freuen wir uns auf neue Chansons beim alínæ lumr.

Halo Maud

Vorsichtig tastet sich Hannah Epperson an jeden Song, flüstert, loopt, zupft. Versteckt sich abwechselnd hinter ihrer Violine oder ihrer blonden Haarmähne, lässt ihren Schlagzeuger den Mittelpunkt einnehmen, um dann plötzlich hervor zu treten. Spätestens dann ergeben Violinen-Loops, Percussions und Gesang ein fesselndes Gesamtbild. Die junge New Yorker Neo-Klassik-Künstlerin – geboren in Salt Lake City, aufgewachsen in Vancouver – zieht ihre Inspiration aus zahlreichen Reisen und Kollaborationen mit anderen Musiker*innen und Kunstbereichen. All ihre Songs existieren im reduzierten Neo-Klassik- sowie im Pop-Format. Im zweiteiligen Album-Projekt “Slowdown / Upsweep” sind jeweils beide Varianten zu finden.

Hannah Epperson

Sarah Dudda blickt auf eine bemerkenswerte Geschichte aus Kollaborationen mit namhaften Berliner Künstler*innen wie Slow Steve und Touchy Mob zurück. Nun tritt sie selbst in den Vordergrund der Bühne. Auf ihrer ersten EP „Future Light Cone“ hämmern saftige Bässe hinter klagenden Synthies und erzeugen ein Gewand aus Harmonien und Helen Frys engelshafter Stimme. Das Projekt, das Dudda zusammen mit Slow Steves Rémi Letournelle auf die Bühne bringt, ist „ein Exponat ihrer nerdy Begeisterung für technologische Fortschritte, 3D-Drucker und CNC-Fräsen“, meint die Spex. OK.

Helen Fry

Klez.e spielen nicht immer noch, sondern wieder. Düsterer als es The Cure jemals waren, kommt der neue Klang in Kombination mit persönlich-politischen Texten und erreicht dabei eine poetische Kraft, wie man sie seit Blumfeld und Ja, Paniks „DMD KIU LIDT“ nicht mehr gehört hat. Klez.e spielen sich durch die Untiefen des gegenwärtigen Weltbewusstseins und lassen dabei kaum eine Krise aus. Auf einem Klangteppich aus tiefem Schwarz klingt das von Tobias Siebert so leidenschaftlich gesungene Wort „Antidepressiva“ wie eine Verheißung. Es ist ein Soundtrack für alle, die zwischen den Jägerzäunen der ostdeutschen Kleinstadt die dunklen Kellergewölbe ihres inneren Kontinents aufsuchen wollen.

Klez.e

Ihren tief verwurzelten und zugleich weit schweifenden Klang erzeugen Le Millipede mit unzähligen Instrumenten wie Posaune, Xylophon, Synthesizer, Klavier, Sousafon, Rassel und weiteren Tasten-, Blas- und Schlaginstrumenten. Für dieses virtuose musikalische Unterfangen wird Alien Ensemble-Posaunist Mathias Götz von den Notwist-Brüdern Micha und Markus Acher, Nicolas Sierig (Joasihno) und Manuela Rytzki (Parasyte Woman) unterstützt. Gemeinsam bringt das um die Posaune herum gebildete Ensemble einen Klang hervor, der zwischen Komplexität und Einfachheit in geheimnisvollen instrumentalen Welten umherwandert, und sich dabei hier und da gar für einen Moment zu CocoRosie in die Ecke mit den Kinderspielzeugen gesellt.

Le Millipede

Lor kommen aus Polen, nicht aus Island. Kämen sie aus Island, würden sie sicherlich schon mit Sóley und Pascal Pinon verglichen. Lor schreiben Songs von poetischer Schönheit, deren Tiefe und weit atmende Atmosphäre keinerlei Hinweise auf das erstaunlich junge Alter des Quartetts in sich tragen. Geige und Klavier formen eine dunkel-melancholische Kulisse zu der sich Jagoda Kulińskas fabelhafter Gesang gesellt und uns von Geistern, dem Tod - der hier ein Mädchen ist - und "Happy Dead People" erzählt.

Lor

Wirklich lang haben wir keinen so erhabenen Popsong und aufrichtigen Refrain mehr gehört wie in Lowlys „Deer Eyes“. Repeat, repeat, repeat. Ihr Debütalbum erschien Anfang 2017 auf Bella Union, womit sich die Dän*innen passenderweise zu Bands wie Beach House und Wild Nothing gesellen. Nanna Schannong, Kasper Staub, Thomas Lund, Soffie Viemose und Steffen Lundtoft lernen sich an der Staatlichen Musikhochschule Aarhus kennen und entwickeln zusammen wunderschön verträumte Melodien in verschachtelten Song-Strukturen. Gleichsam sinnlich, faszinierend erfinderisch und immer überaus stilvoll. Obwohl sie jede*r insgeheim sofort beantwortet, klingt Soffies Frage nach dem dritten Repeat noch höflich nachdrücklich: “Have you ever felt so lonely/That you could map it on your body?”

Lowly

Oft als neuer Nils Frahm bezeichnet, verhandelt der junge Musiker und Produzent aus Thüringen seine minimalistischen, modernen Kompositionen fortwährend neu. Bei seinen Konzerten, die mal Solo-Piano, mal Elektronik-Tasten-Verschmelzung sind, tritt Kohlstedt in den Dialog mit sich selbst, der Musik und dem Publikum. Jenseits von deutungsschwerer Klassik oder konstruiertem Pathos versucht er sich mit seinen modularen Kompositionen am reduziert Persönlichen.

Martin Kohlstedt

Formiert aus einem losen Kollektiv lange bekannter Persönlichkeiten der Berliner LoFi-Szene klingt diese Band so wie man ihren Namen ausspricht: Eine irgendwie tanzbare, hypnotische Verbindung aus Rock’n’Roll und arabischen Harmonien, Surf, New Wave und Psychedelika. Dazu der kühle Gesang von Jonas Poppe und Textzeilen, die man groß an Wände schreiben möchte: „Power to the women of the morning shift!“ Musik, die man so noch nicht gehört hat und die stark über den deutschen und europäischen Tellerrand hinaus schaut.

Oum Shatt

Quentin Sirjacqs Musik nimmt seine Hörer*innen mit auf eine Reise an unterbewusste Orte. Der Pariser Pianist und Komponist produziert moderne Musik irgendwo zwischen Neo-Klassik, Jazz, Pop und Ambient, die stets dem Minimalismus bei Philip Glass oder Yann Tiersen zuwinkt. Er arbeitet sowohl für Film und Tanz, improvisiert, komponiert, spielt mit verschiedenen Gruppen, Bigbands und Orchestern. Auf seinen Soloalben finden sich zarte Pianostücke neben aufwendigen Kompositionen in denen er das omnipräsente Klavier mit zahlreichen melodischen und rhythmischen Instrumenten und elektronischen Geräten kombiniert.

Quentin Sirjacq

Sea Moya sind Sonnenschein und Funkeln, erfrischend wie ein sommerlicher Sprung in den Storkower See. Aus den Klängen spritzt und platscht es, es poppt und sprießt, klickt und klackt, zappelt und treibt. Aber auch die Welt der Unterwassergeräusche beherrscht das junge Trio verführerisch gut: ein sanftes Rauschen, ein waberndes Wirbeln. Caribou grüßt vom Segelboot. Für Nichtschwimmer*innen sind Sea Moya der verträumte Drink im Schatten der Storkower Friedenseiche auf unserem schönen Marktplatz.

Sea Moya

Gitarren, die an die große Zeit des Rock erinnern, sphärische Echos, entspannte elektronische Beats und die charmanten Stimmen der beiden Britpop-Posterboys Leo Duncan und Ben Moorehouse lassen den Glamour der großen weiten Welt vollkommen unprätentiös wirken. Das Duo aus London spielt mit einer Leichtigkeit, bei der ihr Wissen über die Popgeschichte und ihr musikalischer Ehrgeiz erst in dem intensiven Wechselspiel deutlich werden, das die beiden auf der Bühne entwickeln. Storkow trifft London, und wenn zwischendurch eine der Gitarren so klingt als käme sie von einer Countryband, die gerade bei Antenne Brandenburg spielt, wirkt es, als sei das eine Selbstverständlichkeit.

Ten Fé

Von einer One-Man-Show übers Duo zum Trio: Die Band White Wine um Indie-Ikone Joe Haege (31Knots, Tu Fawning, Menomena) inszeniert gesampelte Sounds und analoge Instrumente mit einem gewissen Trash-Appeal und macht daraus einen ausladenden und ziemlich verrückten Math-Art-Rock. Haege als entrückter Dada-Zirkusdirektor trägt in ausgebeultem Anzug und Hochwasserhose manisch Monologe vor und geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Aber hey, who cares what the laser says? White Wine kreieren eine wunderbar zeitlose, Spaß bereitende Version von Indie-Rock.

White Wine

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